Pferdekommunikations-Blog

Der Mut zur Langsamkeit

Donnerstag, 2. November 2017 - in Pferdetraining

In letzter Zeit wird mir immer bewusster, wie wichtig es ist langsam zu reiten. Viele Pferde werden viel zu schnell geritten, schnell in Hinsicht auf die Geschwindigkeit in den einzelnen Gangarten. Davon schließe ich mich nicht aus, ich habe es viel zu lange zugelassen. Malo und ich sind außerdem alles andere als perfekt gebaut. Malo und ich haben beide sehr kurze Beine, wir haben beide Probleme mit der Bauchmuskulatur und im Gegenzug dazu ein Hohlkreutz bzw. Senkrücken.

 

Malo und ich sind alles andere als perfekt gebaut.

 

Er kann dadurch sehr schlecht untertreten und ...



... hat die meiste Last auf seiner Vorhand.

Nun arbeite ich mit Malo seit einiger Zeit daran, unsere Defizite auszugleichen und zu verbessern. Zuerst schraubte ich an meinem Sitz, um ihm nicht weiter im Wege zu sitzen. Ich weiß er ist lange noch nicht perfekt, aber ich bin dran und zumindest ist es schon einmal soweit, das ich beim reiten keine schmerzen mehr habe. Außerdem arbeite ich an meinem unabhängigen Zügelkontakt, damit er meine Hand als angenehm helfend und nicht störend empfindet. Malo wird derzeit von mir eigentlich nur geradeaus geritten. Das ganze im Schneckentempo und in Kombination mit vielen Geschwindigkeits- und Gangartwechseln. Das tut ihm sehr gut und er findet Stück für Stück den Weg in eine gesunde Haltung.

 

Aber welchen Nutzen hat es, langsamer zu reiten?

Wenn das Pferd zu schnell geritten wird, kann es schlechter untertreten und zieht mit der Kraft aus der Vorhand. Manche glauben, Geschwindigkeit ist wichtig um die Muskulatur anzuregen und Kondition aufzubauen. Das ist Grundsätzlich auch nicht falsch. Nur an welcher Stelle wird dann die Muskulatur aufgebaut? Richtig, an der Vorderhand. Dazu kommt dann noch, das wir das Pferd „rund“ reiten wollen. Also wird mit Kontakt geritten und am Maul gezogen, damit der Kopf runter kommt. Meistens sind die Hände dann noch viel zu tief und mit der Hüfte wird zusätzlich geschoben.

Ich könnte das jetzt weiter „spinnen“ (falsche Nutzung von Sporen, Gerte, zu eng geschnallten Trensen, etc.), aber ich glaube jeder der das liest, weiß was ich meine.


LANGSAM mit GEFÜHL und WENIGER ist MEHR – (m)ein PLAN

LANGSAM

Geschwindigkeitsregulierung kommt an erster Stelle! Langsam bedeutet hier wirklich langsam, wahrscheinlich fühlt es sich erst einmal ungewohnt langsam und schleichend an. Wichtig ist hier, das nicht am Zügel gezogen werden soll! Mit der richtigen Atemtechnik, ein Gefühl für die eigene Körpermitte und den Körperschwerpunkt (ich rede aber nicht von Gewichtsverlagerung!), schafft man es, sein Pferd langsamer werden zu lassen.

 

GEFÜHL

Nun können die Zügel freundlich aufgenommen werden. Sie sollten sich wie ein Gummiband anfühlen, welches nicht durchhängt, aber auch nicht extrem straff gezogen ist. Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenke sind locker und sollten sich jederzeit der natürlichen Nickbewegung des Pferdes anpassen. Der eigene Körper ist aufgerichtet und wir atmen gleichmäßig in den Bauch. Das Stichwort lautet hier GEBEN statt NEHMEN! Es wird nicht gezogen, sondern wir sollten lernen mit dieser Nickbewegung mit zu gehen!

Dieser freundliche Zügelkontakt, ich nenne ihn gerne „Händchenhalten“, ist wichtig für den sogenannten Spannungsbogen und darf viel geübt werden.

 

WENIGER

Bevor ein Pferd nicht vernünftig geradeaus gehen kann, kann es auch keine Kreisbögen gehen! Zumindest nicht gesund.

Das heißt im Umkehrschluss, eine ganze Weile auf dem Hufschlag reiten schadet hier definitiv nicht und ist sogar gut. Erst einmal also keine Volten, Zirkel usw. maximal noch ein „durch die ganze Bahn Wechsel“, denn wir sollten in beide Richtungen gleichviel reiten.

 

MEHR

Wenn langsam und mit einem freundlichen Zügelkontakt geritten werden kann, dürfen nun viele kurze Übergänge kommen. Wir können den Schritt in drei verschiedene Geschwindigkeiten teilen. Langsamer Schritt, Mittelschritt und schneller Schritt. Oder um es einfacher zu gestalten, können wir die lange Bahn schnellen Schritt reiten und an der kurzen Seite langsamen. Das ganze Spiel kann man ruhig eine Weile machen. Beim langsamer werden, wird wieder nicht am Zügel gezogen und beim schneller werden versuchen wir nicht mit den Schenkel zu treiben oder mit der Hüfte zu schieben. Der beste Moment für einen Übergang ist der, in dem das Pferd fast anhält. Denn dann kommt die Kraft von hinten.

 

Mit der Zeit (und das kann schon in der ersten Stunde sein), wird man ein zufriedenes Pferd bekommen. Eines welches evtl. sogar schon ab und zu etwas den Rücken angehoben hat, eines was abschnaubt und in einem rythmischen Schritt laufen kann. Nach ein paar Einheiten, nur im Schritt reiten, wird das Pferd sogar mehr Kraft aus der Hinterhand nutzen um besser untertreten zu können. Denn bei jedem Übergang, tritt es ganz automatisch mindestens einen Schritt unter den Schwerpunkt.

Wer nicht reiten kann oder möchte, der kann das gleiche in der Führpostion machen!

 

 

 

Hat schon jemand Erfahrung damit gemacht? Was habt ihr zu berichten? Hat sich etwas verändert? Ich würde mich riesig über einen Erfahrungsaustausch freuen.

 

Eure Saskia


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