Pferdekommunikations-Blog

Was hat GEFÜHL mit VERTRAUEN zu tun?

Dienstag, 21. November 2017 - in Achtsamkeit

Was hat Gefühl mit Vertrauen zu tun?
Was heißt eigentlich GEFÜHL? Was macht es mit uns?
WARUM ist das „richtige“ Gefühl so unendlich wichtig in unserer Reiterwelt?
Pferdetraining ohne Gefühl, geht das?
 
Gefühl kommt von Fühlen, also (durch Nerven vermittelte) Empfindungen. Kleinste Regungen in den Fingerspitzen, ein winziges Kribbeln oder auch nur eine leichte Vorahnung, also ein Gedanke. Schon das sind Gefühle. Haben Tiere Gefühle? Ich würde sagen, JA und zwar sowas von!


Uns fällt es oft schwer, Dinge BEWUSST wahr zu nehmen und machen sie einfach nur nebenher. Wir putzen Fenster und denken an den Einkauf, wir gehen Einkaufen und sind in Gedanken schon beim Abendessen kochen, wir essen zu Abend und reden über den Tag usw. Schade eigentlich, denn jeder Moment kann BEWUSST wahrgenommen werden. Das ist es wenn man sagt, genieße den Moment. Es ist ein BEWUSSTES WAHR NEHMEN vom HIER und JETZT. Nun was hat das jetzt mit Gefühl zu tun?
 
Um unsere Gefühle besser wahrzunehmen, hilft es wenn wir den Moment spüren, also das hier und jetzt. Wie fühlt es sich an wenn der frisch gepresste Orangensaft am Sonntag morgen den Gaumen runter läuft? Was ist das für ein Gefühl wenn man die Hände unter die Mähne des Pferdes legt?

Trakehner Stute "Alte Welt" und ihr Besitzer lernen
mit viel Gefühl aufzuhalftern. Hier fängt der Weg in
einen vertrauten Umgang schon an.
Unsere Pferde lieben es, wenn wir HIER sind, bei Ihnen und an nichts anderes Denken außer an den Moment, mit ihnen zusammen. Manchmal merke ich, wie ich gestresst zu meinen Pferden gehe und husch husch den Stall fertig mache nur um Pünktlich in der Halle zu sein. Dann will ich mein Pferd holen, und was macht er? Er schaut mich an und geht weg. Nun toll, denke ich mir, ist ja mal wieder typisch wenn ich ihn schnell holen will, haut er ab (Malo macht das sehr langsam und gemächlich, aber er geht).
 
Für mich ist das ein Zeichen von, ACHTUNG irgendetwas stimmt gerade nicht!
 
Also ermahne ich mich: Atme durch, bleibe stehen, Atme wieder durch, mache die Augen zu und Atme tief durch, spüre den Wind auf meiner Nasenspitze, höre die anderen Pferde wie sie das Heu fressen oder eines entspannt ausschnaubt…dann mach ich wieder die Augen auf schaue in die Augen meines Pferdes, welche mittlerweile mit sanftem Blick ganze Nahe bei mir sind. Ein GEFÜHL des VERTRAUENS überkommt mich und mein Pferd folgt mir entspannt bis zum Putzplatz.
 
Als ich Malo letztens geritten bin, hatte ich eine ähnliche Situation. Wir arbeiteten am Schritte verlängern in Kombination mit Stopp und zurück. Wenn ich ihn beim Schritte verlängern die ganze Zeit rechts/links treibe (so wie man das kennt), dann machte er sich fester. Wenn ich aber mit Gefühl ein wenig den Sitz öffne, einatme und dann nur etwas mit beiden Pobacken lächelte, dann kam mehr Schwung. Ich konnte richtig spüren wie der Schwung von hinten nach vorne durch das komplette Pony ging. Noch intensiver habe ich es gemerkt, als wir ans Rückwärts richten gingen. Er stemmte sich dagegen und es fühlte sich an, als hätte ich das halbe Pony im Halfter (ich reite aktuell viel mit Knotenhalfter). Also atmete ich wieder durch, schloss die Augen und gab nur ganz leichten Druck ins Halfter. Ich wartete und spürte recht bald eine Gewichtsverlagerung, kaum merklich, aber mit geschlossenen Augen konnte ich es fühlen und lies daher meinen Druck nach um ihn zu bestätigen. Dann fragte ich ihn noch einmal, nahm die Zügel auf, gab leichten Druck darauf und wartete. Nach nicht einmal 2 Sekunden kam wieder die Gewichtsverlagerung, diesmal wartete ich bei gleichem Druck noch länger und schon kam ein kleiner Schritt. Sofort lies ich nach und legte die Zügel kurz auf seinen Hals, öffnete die Augen und genoss den Moment. Nun konnte ich das Gefühl auch bei geöffneten Augen besser spüren und machte einfach weiter. Nach einigen Wiederholungen ging er Butterweich so viele Schritte Rückwärts wie ich wollte. Ohne ziehen, zerren, dagegen lehnen, ärgern und kämpfen. Ein wunderbares GEFÜHL welches u.a. VERTRAUEN schafft!

Früher war es mir nicht möglich mit Malo
auszureiten, und schon gar nicht bei Schneetreiben.
Er ist der wahre Meister im
"Ohne Gefühl mach ich gar nichts!"
Warum schafft das Vertrauen? Unsere Pferde merken es, wenn wir uns Mühe geben, wenn wir sie achten und schätzen. Sie bekommen dadurch Zuspruch und Bequemlichkeit von uns was sie sehr mögen! Probiert es aus, es lohnt sich!
 
Weitere positive Effekte für uns Menschen: Entschleunigung, Erholung, Frieden finden und spüren, u.v.m.
 
Hattet ihr auch schon solche oder ähnliche Erlebnisse?
Ich wünsche uns mehr von diesen Momenten, von den Gefühlen die uns nicht nur Frieden und Vertrauen bringen. Ich glaube je mehr wir im HIER leben, um so mehr können wir unsere Welt ein Stückchen mehr genießen.
 
Eure Saskia
 
Bilder: Titelbild Nicole Unger

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